Was passiert bei einer Strafanzeige

Vor einer Anzeige solltest Du zu einem/einer auf diesem Gebiet erfahrenen Anwalt/Anwältin gehen, um gemeinsam zu klären, wie groß die Chancen sind, dass es zu einem Strafverfahren kommen wird. Du erhältst dort auch Informationen über Deine Rechte und Pflichten im Verfahren. Missbrauch und der Verstoß gegen die sexuelle Selbstbestimmung sind Offizialdelikte. Das bedeutet, dass ein öffentliches Interesse an der Verurteilung und Bestrafung des Täters/der Täterin besteht. Der Anwalt/die Anwältin kann für Dich die Nebenklagevertretung übernehmen. Das heißt, Du kannst Dich als Nebenklägerin/Nebenkläger der öffentlichen Klage anschließen und so durch juristische Unterstützung Einfluss nehmen auf den Verlauf des Prozesses, den Schuldspruch und die Strafzumessung.

Bei der Kriminalpolizei kannst Du darauf bestehen, mit einer Beamtin zu sprechen. Meist kann dies ermöglicht werden.

Während der Vernehmung musst Du alles, was passiert ist, sehr genau erzählen, damit die Tat möglichst gut nachgewiesen werden kann. Genaue und wiederholte Nachfragen der Beamtinnen bedeuten nicht, dass sie Dir nicht glauben. Manchmal dauern Vernehmungen deshalb sehr lange und können belastend sein.

Wenn Du eine Anzeige erstattet hast, kannst Du sie nicht wieder zurückziehen, da sexueller Missbrauch und Vergewaltigung Offizialdelikte sind. In der Regel vergehen einige Monate und mehr bis zum eigentlichen Verhandlungstermin. Den meisten Betroffenen wäre es verständlicherweise lieber, das Missbrauchserlebnis in diesem ggf. langen Zeitraum zu vergessen. Durch den anberaumten Prozess ist dies nicht möglich, was wiederum sehr belastend sein kann. Während der Verhandlung muss dann erneut das gesamte Missbrauchserlebnis geschildert werden. Zudem ist meist auch der Angeklagte im Saal anwesend. Hilfreich kann es sein, sich vor Prozessbeginn eine Strategie für die Aussage zu überlegen, z. B. nur den Richter anzuschauen. Der Ausschluss des/der Angeklagten kann unter bestimmten Bedingungen ermöglicht werden. Hierüber berät Dich Deine Anwältin/Dein Anwalt. Du kannst Dich auch von einer Fachkraft des Opferhilfebüros zur Verhandlung begleiten lassen, sofern Du Opfer-Zeugin bist.

Unter Umständen wird der Angeklagte nicht verurteilt. Das kann mehrere Gründe haben. Z. B. konnte die Tat nicht ausreichend bewiesen werden, da Aussage gegen Aussage steht. Für Betroffene kann dies nicht nur frustrierend, sondern auch verwirrend sein. Eine Nicht-Verurteilung bedeutet jedoch auf keinen Fall, dass die Tat nicht geschehen ist oder kein Unrecht darstellen würde.