Wer macht so etwas und warum?

Man sieht es keinem Menschen an, dass er andere missbraucht. Sexualisierte Gewalt gibt es unabhängig von Bildungsstand, ethnischer Herkunft oder Hautfarbe in jeder sozialen Schicht. Täter und Täterinnen stammen in den meisten Fällen aus dem Umfeld der Familie oder aus der Familie selbst. Die Täter und Täterinnen sind den Betroffenen demnach bekannt und genießen bei Kindern und Jugendlichen vollstes Vertrauen, werden oft sogar geliebt. Sie sind z. B. Stiefväter oder -mütter, Väter oder Mütter, Onkel oder Tanten, Großväter oder -mütter, Brüder, ... .
Andere Missbraucher oder Missbraucherinnen kommen aus dem Bekanntenkreis der Kinder und Jugendlichen. Hier können es z. B. Väter von Freunden/Freundinnen sein, Sporttrainer, Jugendleiter, Nachbarn, ... . Nur in relativ seltenen Fällen (ca. 5-10%) sind die Täter Fremde. Untersuchungen haben gezeigt, dass Mädchen vorwiegend sexualisierte Übergriffe durch Familienmitglieder erleiden, Jungen eher durch Bekannte oder Fremde. Die Missbraucher sind überwiegend Männer. Sind es Täterinnen (in 10-20% der Fälle), so handelt es sich meistens um die Mütter der Betroffenen.

Täter und Täterinnen suchen gezielt die Nähe zu Kindern und versuchen auf unterschiedliche Arten, Kinder und Jugendliche von sich abhängig zu machen. Sie treten wie „Menschen mit zwei Gesichtern“ auf. Auf den ersten Blick können sich TäterInnen gut mit Kindern und Jugendlichen beschäftigen und bringen viel Verständnis für deren Wünsche und Bedürfnisse auf. Dieses Interesse und Interessant-Sein nutzen übergriffige Menschen auf der anderen Seite aus. Je besser sie das Kind oder den Jugendlichen kennen, desto eher wissen sie, wie sie das Mädchen/den Jungen für ihre negativen Absichten gewinnen können, ohne dass er/sie zunächst etwas merkt. Übliche Strategien und Tricks von Tätern und Täterinnen sind, so zu tun „als ob“, d.h. z. B. so zu tun, als handle es sich um ein Spiel und wer nicht mitmacht, wird als Spielverderber beschimpft. Oder Täter oder Täterinnen tun, als ob sie sich Sorgen um die Gesundheit von Kindern machten und untersuchend helfen wollten. Oder aber Täter oder Täterinnen versuchen den Betroffenen einzureden, dass diese, wenn sie „mitmachen“, etwas Gutes für andere Kinder tun würden.
Übergriffige Menschen locken Kinder und Jugendliche also nach und nach in die Falle, indem sie sie immer mehr dahin bringen zu glauben, dass sie das, was Täter oder Täterinnen von ihnen verlangen, doch auch selbst wollten und damit selbst Schuld an dem Erlittenen seien. Die Beziehung zu den Kindern und Jugendlichen wird zunehmend sexualisiert. Täter oder Täterinnen wollen nicht nur mit Kindern und Jugendlichen zusammen sein und Zeit mit ihnen verbringen, sondern sie suchen gezielt sexuelle Kontakte. Dabei geht es ihnen nicht um lebendige Sexualität, sondern um das Erleben von Macht. Unterlegenen gegenüber trauen sich Täter oder Täterinnen, sexuelle Wünsche zu äußern und zu leben. Dabei übersehen oder verneinen Missbraucher oder Missbraucherinnen, dass diese Art von Beziehung und sexuellen Handlungen für Kinder und Jugendliche beschämend, verletzend und hochgradig verwirrend ist. Gleichzeitig setzen Täter und Täterinnen die Mädchen und Jungen unter Druck oder erpressen sie, damit sie nichts verraten. Denn natürlich wissen die Täter und Täterinnen, dass sie die Schuldigen sind.