Selbstverständnis und Ethische Verantwortung

Die Wildwasser-Beratungsstelle Rotenburg, aus der Tradition der Frauenbewegung, - die sich als erste dieser Thematik als einer gesellschaftlich-strukturellen angenommen hat, - Anfang der 90-ziger im letzten Jahrtausend entstanden, ist seit 2004 in Trägerschaft des Ev.-luth. Kirchenkreises Rotenburg.

Oberste Ziele der Beraterinnen sind: die Situation der von sexualisierter Gewalt  betroffenen Kinder, Jugendlichen und Frauen zu verbessern, für eine professionelle Unterstützung der Betroffenen einzutreten sowie zur Prävention vor sexualisierter Gewalt beizutragen.

Im Fokus der Arbeit steht die Beratung von betroffenen Menschen. Die Beraterinnen setzen sich von ihrem Selbstverständnis her für die Würde und Integrität der KlientInnen, ihren Schutz und ihre Selbstbestimmung ein.

Die Erfahrung sexualisierter Gewalt wie Gewalt jeder Art bedeutet für die betroffenen Menschen eine gravierende Verletzung der Persönlichkeit und oftmals auch eine Traumatisierung. Die psychotherapeutische Beratung von gewaltbetroffenen Menschen erfordert auf diesem Hintergrund ein hohes Maß an ethischer Verantwortung.

Die Mitarbeiterinnen von Gewalt-Beratungsstellen sind besonders gefordert, das eigene Handeln und Erleben im Beratungskontext zu reflektieren und die KlientInnen ebenso wie sich selbst vor Grenzüberschreitungen und Machtmissbrauch zu schützen.

Die Grundhaltung der Beraterinnen gegenüber den KlientInnen ist durch Achtung, Respekt und Wertschätzung gekennzeichnet. Das impliziert Akzeptanz aller KlientInnen, unabhängig von Alter, ethnischer Zugehörigkeit, sozialem Status, körperlicher oder intellektueller Beeinträchtigung, Weltanschauung und Religion.

Die Beraterinnen verfolgen in ihrer Arbeit einen parteilichen und gesellschaftskritischen Ansatz, wobei im Fokus der einzelnen Beratung und Unterstützung das individuelle Erleben und die spezifische Problematik der betroffenen Menschen stehen.

Ziel der parteilichen Unterstützung ist die Stabilisierung der betroffenen Menschen im Alltag, ihre Handlungsfähigkeit und Selbstbestimmung zu stärken, die eigenen Ressourcen anzuregen und zu nutzen sowie sie in diesem Prozess zu begleiten, bei absoluter Verschwiegenheit nach außen.

Während bei der Beratung erwachsener Klientinnen deren Eigenverantwortung und Selbstfürsorge elementar sind, gilt es für Kinder die beteiligten Bezugspersonen und/oder Erziehungskräfte entsprechend ihrer Verantwortung einzubeziehen.